Die Webseite www.rottenneighbor.com kann seit einigen Tagen von mindestens vier großen deutschen Internet Service Provider (ISP) aus nicht mehr aufgerufen werden. Der Aufruf über ausländische Proxy-Server gelingt.
Die Webseite steht in der Kritik, weil sie jedem die Möglichkeit bietet, sich dort relativ anonym über seine ungeliebten Nachbarn und Mitmenschen Wohnort bezogen auslassen zu können. Zur Darstellung nutzt die Seite Google-Maps. Ungeliebte Zeitgenossen werden mit einem roten Häuschen, ähnlich den Häuschen aus einem weltbekannten Grundstücksbrettspiel, dargestellt. Beliebtere Zeitgenossen mit grünen Häuschen. Es darf nun fröhlich geraten werden, welche Farbe dominiert.
Verständlich, dass dieser “Dienst” den Betroffenen ein Dorn im Auge ist. Sollten jedoch die deutschen ISP gleich geschlossen Hand in Hand den Zugriff auf diese Seite sperren, zeigt dies eine ganz neue Dimension.
Und dass sich bisher fast keine Informationen oder Nachrichten im Netz zu dieser Sperrung finden, lässt erahnen, wie uninteressant die Seite eigentlich ist.
Update 1 (31.8.2008)
Kurze Info: Natürlich habe ich alle mir bekannten ISP, über die kein oder nur eingeschränkt Zugriff auf die Seite möglich ist, letzte Woche angeschrieben. Die bisherigen Antworten sind jedoch nicht der Knaller. Ist halt noch Wochenende. Wenn es was Neues gibt, schreibe ich ein weiteres Update.
Anbei mal eine Liste einiger Blogartikel anderer Blogs, die sich dem Thema auch angenommen haben.
Da habe ich ja was losgetreten…
Freiheit ist, was ich sage, du blöder Bürger!
(lanu vom 30.8.2008)
Lanu bringt es kurz und knapp auf den Nenner.
RottenNeighbor in Deutschland wohl gesperrt – Rotten Media aber nicht…
(Pottblog vom 30.8.2008)
Ein sehr ausführlicher recherchierter Artikel auch über den aktuellen Medien-Hype was die allgemeine Kritik an rotten Neighbor angeht. Solche Artikel liest man immer gerne.
Rottenneighbour: Freiwillige Selbstzensur deutscher Zugangsprovider?
(Webmaster Blog vom 31.8.2008)
RottenNeighbor stillschweigend von deutschen Providern gesperrt?
(Netzwertig.com vom 30.8.2008)
Auch ein recht ausführlicher Artikel. Mehr davon bitte.
Internetprovider: Freiweillige Zensur
(Robert Basic vom 31.8.2008)
Dank Robert wird sich das Thema nun noch schneller verbreiten.
rottenneighbor.com mit XeroBank-Browser aufrufen
(Alter Falter vom 31.8.2008)
Aha, eine Anleitung, wie man dennoch die Seite aufrufen kann. Wer’s braucht…
Update 2 (2.9.2008)
Nun liegen ein paar Rückmeldungen einiger ISP vor.
1&1 verweist darauf, dass sie kein eigenes Netz haben sondern auf DSL-Anschlüsse von der Deutschen Telekom, von Telefónica, QSC und Arcor zurückgreifen. Daher seien sie nicht in der Lage, Zugriffe auf Webseiten zu sperren. Betroffene Kunden müssten sich an den entsprechenden Carrier wenden. Respekt: 1&1 haben als erste schon letzte Woche reagiert.
Schade jedoch, dass sich 1&1 Kunden selbst um die Lösung solcher Probleme kümmern sollen. Ein aussichtloses Unterfangen, da die Kunden gegenüber den Carrier keinerlei Rechtsanspruch haben und so überhaupt nichts erreichen dürften.
Die deutsche Telekom hat mich vorhin angerufen. Ihr Pressesprecher erklärte mir, dass von ihrer Seite aus keine Sperre vorliegt. Sie haben den Fall geprüft und der Fehler müsse auf der Seite des Zielservers oder dessen Provider liegen.
Die EWE TEL GmbH hat sich auch gemeldet. Von ihrer Seite liegt auch kein eingeschränkter Zugriff auf www.rottenneighbor.com vor. Die Ursache müsse woanders liegen.
Die Betreiber der Seite www.rottenneighbor.com haben mir noch nicht geantwortet.
Die restlichen ISP auch (noch) nicht. Dabei fällt auf, dass einige ISP anscheinend weder Anfragen an deren Pressestelle noch Beschwerden ihrer Kunden Beachtung schenken. Da heben sich 1&1, die EWE TEL GmbH und die Deutsche Telekom erfreulich positiv hervor.
Somit ist das Rätsel noch nicht gelöst, was die Ursache, der Grund, eine mögliche Motivation und vor allem die Quelle der Sperre ist.