Tomb Raider – Die Leiden der jungen Lara Croft

Seit Anfang März steht das neue Tomb Raider in den Regalen. Wir haben es durchgespielt. Hier unsere fast spoilerfreien Eindrücke.

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Die Story

Wer denkt, die Story spielt vor den bisher bekannten Abenteuern der tr02Lara Croft, liegt richtig und irrt zugleich. Lara ist im neuesten Abenteuer zwar noch junge 21 Jahre – die technische Ausstattung (Smartphones, digitale Funkgeräte usw.) deuten jedoch auf die Gegenwart hin.
Mit einer Expedition unter der Leitung des ehrgeizigen Dr. James Whitman ist Lara auf der Endurance auf der Suche nach der sagenumwobenen Insel Yamatai.

Mit an Bord Laras Mentor und Kapitän der Endurance Conrad Roth und Laras beste Freundin tr03und Filmemacherin Samantha Nishimura.
Auf Drängen von Lara ändert die Endurance ihren Kurs auf das Drachen-Dreieck, wo sie in einen vernichtenden Sturm gerät und die wenigen Überlebenden auf einer Insel stranden.
Dem Tod gerade noch entronnen, stellen die Gestrandeten schnell fest, dass sie auf der Insel nicht alleine sind. Lara wird in eine Höhle entführt, wo das eigentliche Abenteuer für sie und damit auch für den Spieler beginnt.
Lara muss sich nicht nur selbst immer wieder aus brenzlichen Situationen retten – sie muss auch ihren Kameraden und Freunden zur Seite stehen.
Und sie wächst zusehends mit den Herausforderungen und Entscheidungen, die sie treffen muss.

Dank diverser Dokumente, die Lara nach und nach findet, erfährt sie immer mehr über die schreckliche Vergangenheit der Insel und lüftet ihr grausames Geheimnis. Diverse Tagebücher geben Details über die Vorgeschichte preis und helfen, die Beziehungen der Überlebenden untereinander besser zu verstehen.

Lara

Laras Charakter gefällt. Anfangs unerfahren und unschlüssig, geht sie Ihren Weg und tr06entwickelt sich merklich weiter zu der Person, die am Ende überleben kann.

Leider lässt der flotte Handlungsstrang etwas wenig Raum, näher auf den jungen Charakter einzugehen. Da es keine wirklichen Entscheidungspunkte gibt, kann man zwar die Entwicklung verfolgen – sie jedoch nicht in die eine oder andere Richtung beeinflussen.

Die Nebencharaktere

Die Kameraden und Freunde sind hauptsächlich nur Nebenfiguren und haben mit wenigen Ausnahmen, keinen wirklich großen Anteil an der Handlung.
Immerhin sehen die Figuren nicht wie Klone aus und auch die Synchronisation stimmt.

Die Gegner

Nach dem üblichen Motto, „je austauschbarer ein Charakter ist, desto weniger Mühe geben wir uns mit ihm“ begegnen wir den üblichen teils dämlichen Klone. Die KI könnte besser sein und die Variationen der Moves höher. Doch Tomb Raider ist kein Shooter und die Gegner leichtes Ziel für die Heldin. Was will man mehr als besiegbare Horden, die man am Ende noch plündern kann?

Grafik und Sound

Optisch ist das Spiel auf dem Stand der Zeit. Mimik, Körperhaltungen und Animationen sind perfekt und glaubhaft umgesetzt. Nie war es schöner, Lara leiden zu sehen.tr05
An der einen oder anderen Stelle verschwinden zwar nach einer Kletteraktion mal alle Ausrüstungsgegenstände – doch nur um beim nächsten Waffenwechsel wieder aus dem Nichts aufzutauchen. Aufgrund der überzeugenden Grafik sieht man über solche Fehler gerne hinweg.
Die Probleme mit den Nvidia Grafikkartentreibern konnten wir nicht nachvollziehen – zum einen ließen wir Tressfx ausgeschaltet, da dies zu viele Frames fraß. (Die unkontrolliert wehenden Haare sind mit der Zeit auch etwas nervig anzusehen).
Zum anderen stürzte das Spiel „nur“ einmal bei der etwas zu häufigen Verwendung des Instinktes ab. Als Treiber kam die für Windows 7 64Bit Version 306.97 zusammen mit einer ASUS GTX560 TI zum Einsatz.
Informationen zu Benchmarks von Tomb Raider gibt es für die, die es genauer wissen möchten, bei den Kollegen von tom’s Hardware.

Seltsam: Der Sound ist im Stereomodus schwer links lastig. Nur das Einschalten des Surround Sounds am Logitech G930 rückte den Ton wieder mittig.

Die Synchronisierung ist sehr gut gelungen. Das große Bohai um die deutsche Synchronstimme Nora Tschirmer ist jedoch nur schwer nachvollziehbar – kommt sie an die original Synchronstimme Camilla Luddington nicht ganz heran. Die Britin legt spürbar mehr Dramatik an den passenden Stellen rein. Dagegen erscheint Nora Tschirmer manchmal etwas zu still oder zu ruhig. Vielleicht hätte dem Spiel eine weniger prominente dafür erfahrenere Synchronsprecherin besser zu Gesicht gestanden. Doch dies ist Jammern auf hohem Niveau.

Gameplay

Nach dem Motto „von Allem Etwas“ wurde in das Spiel alles gepackt, was sowohl früher die ersten  Tomb Raider Spiele ausgemacht haben, als auch was aktuell in Abenteuerspielen und teils in Shootern State of the Art ist:
Aus den klassischen Spielen haben sich das Lösen von diversen Rätseln, komplexe Kletterkombinationen und Kämpfe gegen fiese Gegner ihren Weg in das neue Tomb Raider gefunden. Das Erlegen und Häuten von Tieren und das Sammeln von Artefakte kennen wir schon aus Far Cry 3.  Bei beidem hilft der ausbaufähige Instinkt, den wir so oder so ähnlich schon bei Hitman kennenlernen durften.

Mit jedem Experience Point baut man Laratr04s Fähigkeiten aus und schaltet Waffen und Ausstattungsmerkmale frei. Dies ist auch notwendig, da man sonst gegen den einen oder anderen stärkeren Gegner den Kürzeren zieht bzw. zumindest zu Anfang unerreichbare Passagen nicht meistern kann.
Tipp: Ist das eine oder andere Rätsel nicht lösbar oder ein Grab mal nicht gleich erreichbar, einfach weiterspielen. Mit späteren Errungenschaften lassen sich die unerledigten Punkte nachträglich lösen.

Steuerung

Es ist eine Freude, Lara beim Klettern, Herabrutschen an Seilen, Springen und Laufen zuzusehen. Die Steuerung ist direkt und die mit neuen Fähigkeiten einhergehenden zusätzlichen Steuerungen leicht zu merken.

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Leider gibt es bei Lara nur sehr sehr langsames Gehen oder schnelles Rennen. Des Öfteren wünscht man sich, dass Lara noch über einen Gang dazwischen verfüge. So bleibt einem nur viel Geduld oder man lässt die Heldin mit vollem Tempo gegen Hindernisse krachen.

Die animierten Stellen, bei denen man eingeblendete Tasten drücken muss, um nicht von einem Felsen erschlagen oder einem Hund gebissen zu werden, waren schon bei anderen Spielen nicht der Renner. Gerade Szenen, in denen mehrere Tasten gedrückt werden müssen, lenken vom eigentlichen Geschehen zu sehr ab und man hat nur die Wahl, oft zu versagen, um die das Geschehen in vollem Umfang verfolgen zu können, oder gespannt auf die Tastenhinweise zu starren und die richtigen Tasten zu drücken, um die Szene zu überleben.

Die Steuerung durch Fluchtszenen, in denen man Hindernissen ausweichen, im richtigen Moment springen und den korrekten Weg einschlagen muss, um Lara nicht in die ewigen Jagdgründe zu schicken, sind gerne mal perspektivisch etwas unklar. So schickt man Lara bei den ersten Versuchen gerne mal in den einen oder anderen Abgrund oder spießt sie beim Fallschirmsprung an Bäumen auf, bis man den Bogen raus hat, was das Spiel eigentlich gerade von einem will.

Genauso überflüssig ist das auf einer Taste notwendige Herumgehacke, um eine Türe aufzustemmen. Jeder Spieler sollte in der Lage sein, eine Taste oft genug zu drücken, damit sich eine Türe oder eine Kiste öffnet – warum man das immer und immer wieder unter Beweis stellen muss, ist unverständlich und völlig überflüssig.

Savepoints

Dank schlauer Speicherung muss man bei gescheiterten Aktion nicht zu weit davor wieder aufsetzen. Auch bleiben erworbene XP, gelöste Rätsel oder gefundene Artefakte einem erhalten.

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Manche Lager dienen der „Schnellen Reise“ und ermöglichen einen umgehenden Standortwechsel. So lassen sich frühere noch nicht gelöste Rätsel oder unentdeckte Geheimnisse mit erst später hinzugewonnenen Fähigkeiten aufdecken.
Bei so manchem abgelegenen Tageslager ohne die Reisemöglichkeit wünscht man sich diese dann doch herbei.

Multiplayer

Im Multiplayer-Modus hat man die Auswahl zwischen Team-Deathmatch, eine nett umgesetzte Variation von „Capture the Flag“, in der man Heilpakete sichern und heim schleppen muss, „Schrei um Hilfe“, in der man drei Funktürme einnimmt und dem klassischen Deathmatch.

Wie aktuell üblich und auch wieder von Spielen wie Far Cry 3 bekannt, kann man Erfahrungspunkte hinzu verdienen und seine Waffen ausstatten.

So richtig motivierend ist der Multiplayer-Modus dennoch nicht. Irgendwie beschleicht einen der Verdacht, dass jedes anständige Solo-Game mit Shooter-Charakter aus den letzten Reserven heraus einen Multiplayer-Modus spendiert bekommt, um noch die Cheater Multiplayer-Liebhaber als Kunden zu gewinnen.

Das Einzige, was im Multiplayer-Modus wirklich gefällt, ist die Möglichkeit, die Spieler stumm zu schalten, die zu dämlich sind, ihre Mikros zu zumachen und laufend in die selbigen rein schnaufen, ihre Treffer kommentieren, andere Spieler beleidigen, im Hintergrund in der Küche sich was zu Essen oder Trinken besorgen oder mit Mama über den passenden Zeitpunkt für das Rausbringen des Müll verhandeln.

Mehr über den Multiplayer-Modus zu verlieren, wären der Worte zu viel. Wer noch mehr Details erfahren möchte, kann sich ja z.B. den ausführlichen (2 Seiten) Test von Dainel Marschijewsky auf Gamestar.de durchlesen, bei dem der Multiplayer-Modus mehrfach Schulterzucken hervorgerufen hat.
Bei mir löste hingegen Schulterzucken aus, wie man 2 Seiten über den Multiplayer-Modus von Tomb Raider schreiben kann.

Fazit

Mit Tomb Raider durchlebt man mit der jungen Lara Croft ein abwechslungsreiches, spannendes und dramatisches Abenteuer. Vergessen sind die letzten enttäuschenden Jump and Run Variationen – vergessen die Angaben über die Anzahl Pixel je Atombusen der erfahrenen Archäologin.

Die Figur gefällt und an der ein oder anderen Stelle leidet man mit ihr. Zwar nicht so, wie mit Lee in „The Walking Dead“, wenn er einarmig auf einen Kirchturm klettern muss, weil seine Mitstreiter zu faul sind, dies selber zu tun. Dennoch gefällt die Dramatik und nimmt einen mit.

Abgesehen von einigen einfallslosen und nicht mehr zeitgemäß zu steuernden animierten Szenen, gefällt die Steuerung. Die Moves der Hauptfigur sind perfekt umgesetzt.

Optisch und akustisch ist das Spiel auf der Höhe der Zeit.

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Klar hätte dem Spiel ein echtes Prequel und Lara eine Bewegungsgeschwindigkeit zwischen Schleichen und Rennen gut gestanden – doch das sind nur Feinheiten.

Am Ende hat man wohl eines der besten Spiele 2013 durchgespielt und in vielen Stunden die Heldin durch Gefahren geschleust – das verbindet und macht Lust auf einen hoffentlich würdigen Nachfolger.

Noch ein Tipp: Der Schwierigkeitsgrad „Normal“ ist unterm Strich doch etwas zu einfach geraten. Wer es knackiger mag stellt ihn gleich auf „Schwer“.

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