Schlammschlacht wegen Adical

Es ist mal wieder eine neue heiße Diskussion um Adical, der „Plattform für Werbung, auf Blogs“, entbrannt.
Und mal wieder geht es um einen Werbepartner, für den wohl nicht jeder Blogger, der nicht dem Adical Netzwerk angehört, Werbung auf seinem Blog machen würde.
War es damals noch Cisco und dessen wenig rühmliche Rolle was die Internetzensur in China angeht, wird dank Adical nun für Yahoo auf den Adical-Blogs geworben.
Das wäre nun das zweite Unternehmen was in nicht all zu ferner Vergangenheit mit der Zensur in China in Verbindung gebracht wurde und nun Werbepartner von Adical ist.
War es bei Cisco noch der Vorwurf

“Ohne Cisco wäre China nicht in der Lage, das Internet so zu kontrollieren, wie es heute geschieht.”

heißt es über Yahoo, dass von diesem Unternehmen

„Daten von Mailkunden an chinesische Behörden herausgegeben wurden.“

Einige Blogs, wie F!XMBR oder Don an der Blogbar haben Adical für diese Auswahl der Werbekunden hart kritisiert. Chris vom F!XMBR sprach gar von Blutbloggern.

Statement auf Spreeblick
Nun scheint Johnny von Spreeblick, einer der Köpfe hinter Adical, der Kragen geplatzt zu sein.
Haben die ersten Kritiken noch das eine oder andere Statement im Rahmen eines Beitrags auf Spiegel-Online und eine späte aber recht ausführliche Antwort auf Adical zur Folge gehabt, scheint es mit der anfänglichen Ruhe und der viel gepriesenen Professionalität im Zusammenhang mit der „Plattform für Werbung auf Blogs“ nicht mehr weit her zu sein.
In einem recht umfangreichen Beitrag auf Spreeblick lässt Johnny Dampf ab und begeht damit so ziemlich jeden Fehler, der einem in solch einer Situation unterlaufen kann.

Die Reaktionen in den nun schon über 170 Kommentaren sind recht eindeutig.
U.a. werden Äußerungen des Artikels, man habe mit der Einführung von Werbung auf Spreeblick

„beschlossen, uns auf die moralische Bewertung der Werbekunden hinsichtlich einer „die sind gut – die sind böse“-Aussage möglichst selten einzulassen. Denn jeder Kunde, den wir als „verwerflich“ ablehnen, bedeutet im Umkehrschluss unsere moralische Absolution für die Kunden, die werbend auf Spreeblick erscheinen.“

wie folgt in den Kommentaren heftig kritisiert. Dort heißt es u.a.:

„Das ist totaler Quatsch.“

oder

„Aber so eine schlechte Ausrede für die Wahl euerer Anzeigenkunden ist wirklich eine Beleidigung für eure Leser.“

Genauso wird der Versuch unternommen, den Nutzen von Produkten eines Unternehmens und das Betreiben von Werbung für ein Unternehmen gleichzustellen. Johnnys Aussage:

„Wie geht Reporter Ohne Grenzen mit der Tatsache um, dass ihre Rechner unter Windows laufen? Muss sich die World Organization For Human Rights USA, welche die oben genannte Klage gegen Yahoo eingereicht hat, dafür rechtfertigen, dass ihr Blog bei Googles blogger.com gehostet wird? Müssen wir unser Internet abschalten, das zu einem großen Teil auf Cisco-Technologie basiert?“

stößt bei einigen Kommentatoren auf Unverständnis:

Einen Dienst zu nutzen und dafür zu werben ist NICHT – ABSOLUT NICHT – vergleichbar.

Und am Ende seines Artikels teilt Johnny nochmal so richtig aus:

„Und solange die lauteste „Kritik“ von denjenigen kommt, die von „Blutbloggern“ reden, während sie ihrer Auffassung von freier Meinungsäußerung durch Verleumdungen, Beleidigungen, Fehlinterpretationen von Zitaten, Löschungen von Kommentaren mit anderer Meinung und der Sperrung von Zugriffen auf ihr Blog von kritischen Blog-Artikeln aus Ausdruck verleihen… solange überlasse ich die Entscheidung, welches Blog man lesen mag, denen, die es sowieso entscheiden: den Lesern.“

Was für eine Schlammschlacht. Toll!

Ja, und die Leser haben in den Kommentaren bisher recht eindeutig reagiert:
In den Kommentaren der Leser kann man recht klar deren Unverständnis über die Auswahl der Werbekunden und die Argumentationen von Johnny nachlesen.
Die Leser scheinen entschieden zu haben.

Unprofessionalität: Keine Richtlinien, keine Kriterien!
Ich vertrete noch immer die Meinung, soll derjenige Werbung auf seinem Blog schalten, der es möchte, solange er damit nicht geltendes Recht verletzt.

Doch was die Köpfe hinter Adical mit ihrem in meinen Augen nicht gerade professionellen Vorgehen an Fehlern begehen, wäre mir, wäre ich eines der Blogs des Adical-Netzwerks, doch langsam nicht nur peinlich. Ich würde mir auch langsam Gedanken wegen eventueller negativer Auswirkungen auf meinen Ruf machen.
Den Eindruck, dass hier nicht professionell vorgegangen wird, leite ich aus einigen Punkten ab.
Zu Beginn, als die ersten Blogs für das Adical-Netzwerk ausgewählt wurden, gab es keine klaren objektiven Kriterien, nach welchen eine Auswahl der Adical-Blogs zu Stande kam. Diese Kriterien scheint es noch immer nicht zu geben. Zumindest sind mir keine bekannt.
Auch scheint es keine klaren Verhaltensrichtlinien für die angeschlossenen Blogs zu geben. Zumindest scheint das eine oder andere Adical-Blog nicht so ernst mit der Kennzeichnung von Werbung in seinem Blog zu nehmen. Der Eindruck der Schleichwerbung kann entstehen.
Und nun vermisst man klare Kriterien, nach denen Werbepartner ausgewählt werden.
Das nenne ich alles, aber nicht professionell.

Doch keines der angeschlossenen Blogs scheint das bisher zu kümmern. Bisher ist mir keines bekannt, welches angesichts dieser Reaktionen die Notbremse gezogen hätte und aus dem Adical-Netzwerk ausgestiegen ist.
Ist hier die Gier nach dem Geld größer als der Instinkt?
Wird hier genau das nun vorgelebt, was zur Einführung von Adical schon kritisiert wurde? Beeinflussen die Abhängigkeit der Blogs von den Werbeeinnahmen durch Adical nun schon die Kritikfähigkeit der angeschlossenen Blogger?

Einige goldene Regeln für solche Statements
Nun, irgendwie verstehe ich Leute, die, werden sie nur lange genug attackiert, sich dann laut und vor allem öffentlich zur Wehr setzen.
Doch dabei gibt es einige goldene Grundregeln zu beachten.
(Anmerkung: Die Auflistung von den folgenden Regeln soll nicht heißen, dass Johnny gegen jeder dieser Regeln meines Erachtens verstoßen hat.)

1.) Fasse Dich kurz.
Mit über 2000 Wörtern ist dies Johnny wohl nicht gelungen.
Je länger das Statement, desto mehr Stoff liefert man den Kritikern wieder für neue Beiträge.

2.) Konzentriere Dich auf das Wesentliche und nur auf das.
Na ja, wie gesagt, bei 2000 Wörtern…
Es hätte ein Statement gereicht, in dem man klar und unmissverständlich erklärt „Welche Werbekunden wir auswählen ist unsere Angelegenheit!“. Das waren 7 Worte.

3.) Wirf keine Nebelbomben
Um mal Pink zu zitieren: „We are not dumb, we are not blind“.
Die Leser merken, wenn versucht wird, mit irgendwelchen Nebelbomben vom eigentlichen Thema abzulenken.

4.) Schlafe eine Nacht darüber, bevor Du das verfasste Statement veröffentlichst.

5.) Lasse mindestens noch ein anderes Augenpaar vor der Veröffentlichung das Statement gegenlesen.

6.) Werfe nicht mit Schlamm, auch wenn einige dies bei Dir getan haben.
Wer bei den Kritikern wie F!XMBR und bei Don regelmäßig liest, weiß, dass diese Herren wohl kaum ein Blatt vor den Mund nehmen.
OK, mit dem Begriff „Blutblogger“ greift man auch nach meinem Geschmack seinem Gegenüber zu weit unter der Gürtellinie ins Gemächt.
Dennoch hinterlässt es immer einen Beigeschmack, wenn man dann selbst mit Schlamm nach Kritikern wirft. Man begibt sich auf die gleiche Stufe und vergibt damit die Chance, auf die Kritik sachlich zu antworten.

7.) Wähle die richtige Plattform.
Da Adical ein eigenes Blog hat, wäre dort ein entsprechendes Statement korrekt platziert gewesen. Dort oder auf einer neutralen Platzform.

Fazit: Adical nur ein großer Feldversuch?
Ich habe nicht wirklich den Eindruck, dass die Macher von Adical sich die Kritik zu Herzen nehmen. Dies lässt nicht hoffen, dass bei der zukünftigen Auswahl von Werbekunden wirklich klar nachvollziehbare Kriterien zum Einsatz kommen werden.

Aber vielleicht ist Adical ja nur ein großer Feldversuch?
Vielleicht möchte man damit testen, wie weit Blogger wegen des schnöden Mammons bereit sind, auch noch den letzten Werbekunden zu ertragen.
Wir werden es erleben, wenn vielleicht demnächst für eine Kochbuch-Homepage oder gar für den Bundestrojaner auf den Adical-Blogs geworben wird.

Meinen Hut ziehe ich dann vor dem ersten Blogger, der aus dem Adical-Netzwerk ausschert, weil sich sein Gewissen mit der Teilnahme an Adical nicht mehr vereinbaren lässt.

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6 Kommentare zu Schlammschlacht wegen Adical

  1. bluejax sagt:

    Ein wirklich sehr schöner Artikel, dem ich mich voll anschießen kann!

    Ich frage mich die ganze Zeit auch, wieso Adical die kritisierten Unternehmen überhaupt in seinen Katalog mit aufnimmt. Ich meine die Leute, die dahinter stecken, wissen doch genau, welche Unternehmen der Blogosphäre ein Dorn im Auge sind und welche Diskussionen gerade beim Thema Zensur die Folge sein können. Und bei der Blogerfahrung der Verantwortlichen sollte ihnen auch bewusst sein, welch Aufschrei durch die Blogs ziehen wird.

    Also irgendwie versteh ich das ganze noch nicht so richtig. Ist auf einmal doch Geld alles? Denke zumindest die werbefinanzierten Blogger sind jetzt in einer neuen Welt gelandet, in der Geschäftswelt. Das gilt ganz besonders auch für die Jungs hinter Adical. Geld reizt, Geld lockt, die Versuchung ist da. Dennoch sollte man sich gerade von Adical-Seite villeicht etwas mehr Gedanken über die Interessen der Blog-Kundschaft machen. Denn: Geld ist nicht alles!

  2. mistersepp sagt:

    Das interessiert die Herren nicht für wen sie werben. Wer derart auf liberal macht, und hier Diskussionen wie zu „Du bist Deutschland“ aufreisst und ja so weise ist, dem würde es gut stehen zum Beispiel Werbung für deutsche Unternehmen mit guten Zukunftsaussichten zu schalten. Aber das interessiert die nicht. Es geht nur ums Geld.

    Und ich bin inzwischen davon überzeugt, dass die Herren Haeusler und Lobo an Realitätsverlust leiden. Man scheint zu glauben das Internet darzustellen. Hier wird sich massiv selbstüberschätzt. Man hält sich und die paar anderen gut besuchten Blog für eine selbsternannte Elite und vergisst völlig in welchen Microkosmen des Internets man sich bewegt. Man brauch nur mal in „Wir nennen es Arbeit“ reinzulesen, dann weiss man Bescheid. Für wen halten die sich eigentlich?

  3. Sind wir ehrlich, zeigt mir ein firma für die man ehrlichen gewissens werbung machen kann? fast jede hat doch in irgendeiner form dreck am stecken.

    was mich eher ankotzt ist das es wieder auf die gleiche leier rausläuft, wer werbung macht ist böse, entweder weil er es nicht richtig kennzeichnet oder weil er für den falschen wirbt.

    jeder ist für das was er in seinem blog schreibt oder für was er wirbt selber verantwortlich, von daher darf von mir aus auch jeder schreiben und werben für was er will auf welche art er auch will. die konsequenzen muss eh jeder selber tragen.

  4. C.J. sagt:

    @bluejax:
    Ich denke mir, wenn ein Unternehmen noch zu klein und unbedeutend ist, kann es sich seine Kunden nicht aussuchen.
    Vielleicht geht es auch Adical so, ist nur eine Vermutung.
    Vielleicht sind Johnny und Co. zu früh mit ihrer Idee an die Blogs herangetreten. Vielleicht hätten sie noch abwarten sollen.

    So jedoch sind sie wohl nun in der harten Realität angekommen wo Geld und Verträge zählen. Erst lockt das Geld – dann zwingt einen der Vertrag, das Vereinbarte auch zu erfüllen.

    Vielleicht würde es auch den einen oder anderen Potentiellen Werbepartner abschrecken, wenn man gezielt Werbepartner ablehnt.
    Und das kann sich ein kleines Unternehmen nun mal nicht leisten.

    @mistersepp:
    Ja, solche Verdachtsmomente und Gedanken können entstehen wenn man sich so wie Johnny an der Öffentlichkeit zu solch heiklen Themen äußert.

    @Christian:
    Tja, Christian, hier ist nix mehr mit Kuscheln. Hier geht es um Menschen, die für Jahrzehnte im Gefängnis landen. Hier kann man das Handeln eines Unternehmens direkt an Einzelschicksale festmachen.
    Hier haben die Schicksale Namen wie Liu Xiaobo.
    Und niemand sagt, wer Werbung macht, ist böse.
    Man sollte sich nur bei all der Werbung gut überlegen, für wen man wirbt.
    Ich halte es für überaus verlogen, über Unternehmen, die ihre Rechte versuchen zu wahren, von Ekel zu sprechen und dann selbst für Unternehmen Werbung zu schalten, die es aktiv mit unterstützen, dass in anderen Ländern die Meinungsfreiheit mit Füssen getreten wird.

  5. @ C.J.
    Ach nee, es gibt mal eine Antwort?

    O.K:,nur zeig mir eine Firma wo du beruhigten Gewissens Werbung machen kannst. C&A? Ich sag nur eventuell Kinderarbeit, Sklavenhaltung. BMW? Ich sag nur Triebwerke für die Flugzeuge die Menschen nach Kuba entführen. usw.

    Du stellst Adical hin als wenn sie die bösen wären, nur vielleicht hatten sie einfach ein unglückliches Händchen bei der Auswahl. Schön, Yahoo ist böse, gut, ich bin deshalb sicher du hast in deinem Blog dafür gesorgt das du keinen Vorteil von Yahooo hast, sprich du hast den Suchroboter ausgesperrt. Schließlich willst du ja nichts mit der Firma zu tun haben oder sie unterstützen.

    Sind wir ehrlich, es gibt Firmen die gehen über Leichen, Yahoo und Cisco scheinen solche Firmen zu sein, aber auch andere Firmen sind es, und auch Bürger sind es.

    Aber dennoch muss es jedem Blogger selber überlassen bleiben für wen er Werbung macht. Aber ich denke in Zukunft wird darüber eh mehr nachgedacht werden bei den betreffenden.

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