{"id":1559,"date":"2009-03-13T02:47:32","date_gmt":"2009-03-13T01:47:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=1559"},"modified":"2009-03-14T05:19:08","modified_gmt":"2009-03-14T04:19:08","slug":"amoklauf-in-winnenden-das-waffengesetz-muss-verscharft-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=1559","title":{"rendered":"Amoklauf in Winnenden &#8211; Das Waffengesetz muss versch\u00e4rft werden!"},"content":{"rendered":"<p>Der j\u00fcngste Amoklauf hat es wieder an den Tag gebracht: Wer die M\u00f6glichkeit hat, an eine Schusswaffe zu gelangen, wird sie im Falle eines Amoklaufs auch gegen seine Mitmenschen einsetzen. Winnenden war nicht der erste Fall.<br \/>\nAm 26. April 2002 verloren 16 Menschen in Erfurt durch die Hand von Robert Steinh\u00e4user ihr Leben. Steinh\u00e4user war seit 2000 Mitglied in einem Sch\u00fctzenverein, in dem er die notwendigen Pr\u00fcfungen ablegte, welche ihm den Besitz einer Waffenbesitzkarte erm\u00f6glichten. Mit dieser gelangte er an die beiden Tatwaffen: Eine Pumpgun Mossberg 590 und eine 9mm Glocke 17.<br \/>\nTim K. erm\u00f6glichte eine 9mm Beretta, die sein Vater, Mitglied in einem Sch\u00fctzenverein, zu hause im Schlafzimmer aufbewahrte, die Durchf\u00fchrung seiner Taten. Neben \u00fcber einem Dutzend Waffen lagerten in dem Wohnhaus der Familie \u00fcber 4000 Schuss Munition.<br \/>\n15 unschuldige Menschen verloren dieser Tage ihr Leben &#8211; 11 wurden schwer verletzt.<\/p>\n<p><strong>Politiker wiegeln ab &#8211; Stimmungsmache gegen &#8222;Killerspiele&#8220; und Internet-Chats<\/strong><br \/>\nSowohl Bayerns fr\u00fcherer Ministerpr\u00e4sident G\u00fcnther Beckstein als auch der aktuell amtierende Bundesinnenminister Wolfgang Sch\u00e4uble sehen keinen Anlass, das aktuelle Waffengesetz zu \u00fcberdenken.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=1555\" target=\"_blank\">Stattdessen versuchen deutsche Politiker dieser Tage, wie auch bei den Amokl\u00e4ufen zuvor, Stichworte wie &#8222;Killerspiele&#8220; und &#8222;Internet-Chat&#8220; als Ursachen f\u00fcr die Tat in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit zu r\u00fccken.<\/a><br \/>\nDass noch niemand mit einem Game-Kontroller, einer Computer-Maus oder durch den Quellcode eines IRC-Chats, jedoch dutzende Menschen durch Waffen, die aus dem Besitz von Sportsch\u00fctzen stammten, ums Leben gekommen sind, scheint nicht zu interessieren.<br \/>\nDies zog in der Vergangenheit schon die seltsamsten Bl\u00fcten <a href=\"https:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=419\" target=\"_blank\">wie 2007 im Fall des Politmagazins &#8222;Panorama&#8220;, in dem ein \u00fcberzogener TV-Beitrag dazu verwendet wurde, Stimmungsmache gegen sogenannte Ego-Shooter zu betreiben. <\/a>Leidtragende waren damals Mitglieder des Clans CODW, die von dem Magazin f\u00fcr ihre Zwecke instrumentalisiert wurden.<br \/>\nBedienten sich T\u00e4ter fr\u00fcher einfachen Abschiedsbriefen, sind es heute Videos auf Youtube oder Nachrichten in Chatrooms. Der Unterschied zu fr\u00fcher: Niemand sah in einem Blatt Papier und einem Stift eine potentielle Bedrohung, nur weil damit ein Abschiedsbrief verfasst werden konnte. Dennoch suggerieren einschl\u00e4gige Medien und Politiker heute gerne, dass diesen Plattformen im Internet mindestens eine Teilschuld f\u00fcr die dar\u00fcber angek\u00fcndigten Taten zukommen.<\/p>\n<p><strong>Screenshot eines nicht existierenden Chat-Dialogs im Fall Winnenden eine Panne?<\/strong><br \/>\n<!--more-->Auch dieser Tage wurde ein Internet-Chat medienwirksam erw\u00e4hnt, in dem der Amokl\u00e4ufer von Winnenden Stunden zuvor seine Tat angek\u00fcndigt haben soll. <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/panorama\/justiz\/0,1518,613038,00.html\"target=\"_blank\">Wie sich derzeit jedoch die Sache darstellt, waren die Informationen, die Innenminister Rech herausgab, &#8222;falsch&#8220;.<\/a><br \/>\nDie angebliche &#8222;Panne&#8220; besteht in einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/fotostrecke\/fotostrecke-40606-3.html\" target=\"_blank\">Screenshot<\/a> der den Auszug eines Chat-Logs zeigen soll, in dem Tim K. angeblich einem anderen Chat-User gegen\u00fcber die Tat Stunden vorher ank\u00fcndigt. Der <a href=\"http:\/\/www.krautchan.net\/\" target=\"_blank\">Betreiber des Chats<\/a> bestreitet den Wahrheitsgehalt dieser Meldung: <\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Hier wurde kein Amoklauf angek\u00fcndigt, es gibt hier nur Leute, die mit Photoshop umgehen k\u00f6nnen.<br \/>\nScheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundg\u00fctiger.<br \/>\nWas man \u00fcbrigens auf dem PC des T\u00e4ters gefunden haben will, wissen wir nicht. Vielleicht hat er die Site mal besucht, den durch die Presse gegangenen Beitrag hat er jedenfalls nicht verfasst, denn der hat nie existiert.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein <a href=\"http:\/\/www.krautchan.net\/original.jpg\" target=\"_blank\">Screenshot des Original-Chatlogs<\/a> und der <a href=\"http:\/\/209.85.129.132\/search?q=cache:mS2E6yXkUWsJ:krautchan.net\/b\/thread-485465.html+site:krautchan.net+485466&#038;cd=1&#038;hl=de&#038;ct=clnk&#038;gl=de\" target=\"_blank\">Google-Cache<\/a> scheinen die Aussage des Betreibers zu belegen.<\/p>\n<p>Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde, wie &#8222;versehentlich&#8220; ein Screenshot eines anscheinend nicht stattgefunden Dialogs in einem Internet-Chat durch die Medien geistern konnte, wird noch aufzukl\u00e4ren sein. Genauso der Umstand, ob es sich wirklich um eine Panne handelte.<br \/>\nEs d\u00fcrfte jedoch zu erwarten sein, dass die Aufkl\u00e4rung, sofern sie \u00fcberhaupt stattfindet, nicht die gleiche Aufmerksamkeit durch die Medien erhalten wird, wie die Falschmeldung zuvor.<\/p>\n<p><strong>Anstatt falschem Lobbyismus muss das Waffengesetz versch\u00e4rft werden<\/strong><br \/>\nDer Anteil legaler Waffen in Deutschland ist extrem hoch. Derzeit sind ca. 10 Millionen Schusswaffen legal registriert. Dies entspricht 12 Prozent der weltweit registrierten Schusswaffen.<br \/>\nLaut Statistik wurden 2006 in \u00fcber 8000 F\u00e4llen Opfer von Straftaten von Schusswaffenmissbrauch. Zwar ist die Tendenz fallend &#8211; doch der aktuelle Fall in Winnenden macht einem wieder klar, dass der Zugang zu Schu\u00dfwaffen es einem T\u00e4ter zu leicht macht, in kurzer Zeit vielen Menschen Schaden zuzuf\u00fcgen oder gar das Leben zu nehmen. <\/p>\n<p>Falscher Lobbyismus wird weitere m\u00f6gliche Todesopfer durch Schusswaffen nicht vermeiden helfen.<br \/>\nEine Versch\u00e4rfung des Waffengesetzes k\u00f6nnte hier Abhilfe schaffen. <\/p>\n<p>Der deutsche Sch\u00fctzenbund, Dachverband f\u00fcr Sportsch\u00fctzen in Deutschland, z\u00e4hlt derzeit ca. 1,5 Millionen Mitglieder. Damit d\u00fcrfte sich ein Gro\u00dfteil der 10 Millionen in Deutschland legal registrierte Waffen im Besitz von Sportsch\u00fctzen befinden. Die Erkenntnisse aus den letzten Amokl\u00e4ufen zeigen, dass hier anzusetzen ist.<br \/>\nDabei ist zu beachten, dass den Mitgliedern von Sch\u00fctzenvereinen nicht die Freude an ihrem Hobby genommen wird. Jedoch haben die letzten Jahre gezeigt, dass es nicht ausreicht, die Anforderungen an die Sicherung von Schusswaffen bei den Waffenbesitzern zu hause zu erh\u00f6hen, wenn es letztendlich an der Durchsetzung und Kontrolle mangelt. <\/p>\n<p><strong>Trennung von Schusswaffen und Munition<\/strong><br \/>\nKern einer Versch\u00e4rfung k\u00f6nnte in der Trennung von Schusswaffen und Munition bestehen. Mit solch einer Regelung sollte sicher gestellt werden, dass in der \u00d6ffentlichkeit von nicht autorisierten Personen keine geladenen Schusswaffen getragen werden und gegen Mitmenschen zum Einsatz kommen k\u00f6nnen. Schusswaffen d\u00fcrften danach nicht mehr zu hause bei den Besitzern zusammen mit der Munition aufbewahrt werden.<br \/>\nEine Lagerung in den R\u00e4umlichkeiten von Sch\u00fctzenvereinen w\u00e4re jedoch nicht ratsam. Diese Einrichtungen liegen gerne in abgelegenen Gebieten und werden nicht rund um die Uhr \u00fcberwacht.<br \/>\nDaher w\u00e4re es denkbar, dass diese Waffen bei der n\u00e4chsten Polizeistation oder einer alternativ zu definierenden Beh\u00f6rde abzugeben sind. Die Munition hingegen k\u00f6nnte beim Sch\u00fctzenverein gelagert werden.<br \/>\nF\u00fcr die Dauer der Aus\u00fcbung des Hobbys, sind die Waffen vorher bei der Beh\u00f6rde mit Angabe der Dauer und des Grunds gegen Vorlage eines g\u00fcltigen Waffenbesitzscheins abzuholen und zum genannten Zeitpunkt wieder abzugeben.<br \/>\nWird eine Waffe nicht zu dem vorher angegebenen Zeitpunkt zur\u00fcckgebracht, k\u00f6nnen zeitnah entsprechende Schritte zur Sicherstellung der Schusswaffe eingeleitet werden.<br \/>\nEin Bu\u00dfgeldkatalog regelt die Handhabung von Verst\u00f6\u00dfen &#8211; ein Punktesystem \u00e4hnlich dem KFZ-Punktesystem ahndet wiederholte und schwere Verst\u00f6\u00dfe mit Geldbu\u00dfen oder Entzug der Waffenbesitzkarte. Positiver Nebeneffekt: Die Zuverl\u00e4ssigkeit von Waffenbesitzern unterliegt so einer dauerhaften \u00dcberpr\u00fcfung.<\/p>\n<p><strong>Hobby versus Menschenleben<\/strong><br \/>\nMan darf nie vergessen, dass Schusswaffen allein f\u00fcr den Zweck konzipiert werden, Gegner auf Distanz zu stoppen. Dabei wird der Tod des Gegen\u00fcber einkalkuliert.<br \/>\nDurch den Einsatz dieser Waffen im Rahmen von Sch\u00fctzenvereinen, bekommen sie wenigstens eine positive Komponente.<br \/>\nEin Schusswaffenverbot h\u00e4tte jedoch das Aus dieses Sports zur Folge und w\u00fcrde Millionen einem relativ harmlosen Hobby berauben.<br \/>\nDennoch gehen der Schutz und Erhalt von Menschenleben vor. Daher k\u00f6nnen die H\u00fcrden f\u00fcr Amokl\u00e4ufer, an Schusswaffen und Munition zu gelangen, nicht hoch genug geh\u00e4ngt werden. Eventuell entstehende Unannehmlichkeiten f\u00fcr Sportsch\u00fctzen durch den h\u00f6heren zeitlichen Aufwand, den solch eine Versch\u00e4rfung mit sich bringen w\u00fcrde, w\u00e4ren daher als zweitrangig anzusehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der j\u00fcngste Amoklauf hat es wieder an den Tag gebracht: Wer die M\u00f6glichkeit hat, an eine Schusswaffe zu gelangen, wird sie im Falle eines Amoklaufs auch gegen seine Mitmenschen einsetzen. Winnenden war nicht der erste Fall. Am 26. 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