{"id":357,"date":"2006-12-11T00:34:05","date_gmt":"2006-12-10T23:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=357"},"modified":"2006-12-13T01:17:19","modified_gmt":"2006-12-13T00:17:19","slug":"bund-kampagne-spritfresser-enttarnen-interview-mit-dem-bund-fur-umwelt-und-naturschutz-deutschland-ev","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=357","title":{"rendered":"BUND-Kampagne &#8222;Spritfresser enttarnen&#8220; &#8211; Interview mit dem BUND f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V."},"content":{"rendered":"<p>Am 29. November pr\u00e4sentierte der <a href=\"http:\/\/www.bund.net\/\" target=\"_blank\">BUND f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V.<\/a> auf dem Wilhelmsplatz in Stuttgart seine aktuelle <a href=\"http:\/\/vorort.bund.net\/klimaschutz\/enttarnt\/home.html\" target=\"_blank\">Kampagne &#8222;Spritfresser enttarnen&#8220;. <\/a><\/p>\n<p>Der BUND wirft den Automobilherstellern vor, ihr Versprechen, den durchschnittlichen Spritverbrauch im Jahr 2008 auf 5,7 Liter zu senken, nicht einhalten zu k\u00f6nnen. Derzeit liegt der Spritverbrauch bei Neuwagen bei 7 Liter pro 100 km.<br \/>\nUm die negativen Folgen eines zu hohen Spritverbrauchs und damit eines zu hohen CO2 Aussto\u00dfes f\u00fcr die Natur bildlich darzustellen, hat der Bund die aktuellen Werbeplakate der f\u00fchrenden Automobilhersteller nach ihren Vorstellungen umgestaltet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ichblogdich.de\/pvtblogdata\/img\/2006\/12\/bundaktion1_kl.jpg\" alt=\"Bund-Aktion: Spritfresser enttarnen - 1\" \/><\/p>\n<p>Wir waren dabei und haben Herrn Dr. Werner Reh, Referent f\u00fcr Verkehrspolitik beim BUND, der extra f\u00fcr diese Kampagne aus Berlin nach Stuttgart angereist war, um ein Interview gebeten.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.ichblogdich.de\/pvtblogdata\/img\/2006\/12\/drwernerreh_kl.jpg\" align=\"left\" hspace=\"10\" style=\"float:left\" alt=\"Dr. Werner Reh\" \/><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Sehr geehrter Herr Dr. Reh. Welche Aufgaben bestreiten Sie beim BUND f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V.?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong> <em>Ich bin Referent f\u00fcr Verkehrspolitik beim BUND. Wir setzen uns f\u00fcr eine nachhaltige Form der Mobilit\u00e4t ein, die die Gesundheit der Menschen, aber auch das Klima und die nat\u00fcrlichen Ressourcen sch\u00fctzt.<br \/>\n<\/em><br \/>\n<br clear=\"all\"\/>\n<\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Was war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr Ihre aktuelle Aktion &#8222;Spritfresser enttarnen&#8220;?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Dass uns klar wurde, dass die deutsche Autoindustrie ihre Selbstverpflichtung nicht einzuhalten gedenkt, den durchschnittlichen Spritverbrauch ihrer Neuwagen bis Ende auf 2008 auf 6 l\/100 bei Benzinern oder 5,3 l\/100 km bei Diesel-Pkw &#8211; das entspricht einer Emission von 140 g CO2 pro km &#8211; zu reduzieren. Weil der BUND schon im April d.J. kritisiert hatte, dass die deutsche Autoindustrie vor allem Spritfresser-Pkw bewirbt, lag es nah, die Autowerbung zu verfremden, indem wir die Klimafolgen dieser Modellpolitik in der Werbung bildlich sichtbar machten.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Was sind ihre Forderungen an die Automobilindustrie?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Ihr Versprechen, das sie in der Selbstverpflichtung 1998 gegen\u00fcber der EU-Kommission abgegeben haben, einzuhalten und den Verbrauch bis 2008 auf 140 g CO2 zu reduzieren. Zweitens folgt das von der EU bereits verabschiedete Ziel, bis 2012 die Grenze von 120 g CO2 zu unterschreiten, das entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch der Neuwagen von 5,1 l\/100 km bei den Benzinern und 4,6 l\/100 km bei den Diesel-Pkw. Der dritte Schritt soll 2020 erreicht werden mit der Halbierung des heutigen durchschnittlichen CO2-Ausstosses von Neuwagen auf 80 g. Damit k\u00f6nnten dann pro Jahr 50 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden, das entspricht 6% des gesamten CO2-ausstosses in Deutschland.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Wo liegt Deutschland im Vergleich zu den Europ\u00e4ischen Nachbarstaaten beim durchschnittlichen Spritverbrauch und bei den dabei entstehenden CO2-Emissionen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Deutschland liegt im europ\u00e4ischen Konzert weit hinten, an drittletzter Stelle. Die CO2-Emissionen der Neuwagen sind in Deutschland etwa 10 Gramm h\u00f6her als im europ\u00e4ischen Durchschnitt. Keiner der deutschen Hersteller hat seine Spritspar-Hausaufgaben erf\u00fcllt im Gegensatz zu einigen ausl\u00e4ndischen Herstellern wie Renault und Fiat.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Neulich forderte der EU Kommissar Dimas, dass die Bundesrepublik Deutschland ihre CO2-Emmissionen um 10 Millionen Tonnen st\u00e4rker reduzieren sollen als von Berlin geplant. Es geht hierbei um die CO2-Emissionen der deutschen Industrie und Energiehersteller. Die Reduzierung der CO2-Emisionen scheinen ein sehr aktuelles Thema zu sein.<br \/>\nGibt es von der EU \u00e4hnliche Richtlinien oder Forderungen f\u00fcr den Kraftstoffverbrauch und die Co2-Emissionen durch Kraftfahrzeuge? Wenn ja, wo liegen diese Werte und mit welchen Sanktionen muss ein Land rechnen, wenn die Richtwerte nicht eingehalten werden?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Die Selbstverpflichtung der 140 g CO2 f\u00fcr den Durchschnitt der Neuwagen gilt f\u00fcr alle europ\u00e4ischen Hersteller. Sie wurde von der europ\u00e4ischen Autoindustrie vorgelegt. Auch die japanischen und die koreanischen Hersteller haben sie \u00fcbernommen. Von der EU und von der deutschen Ratspr\u00e4sidentschaft verlangen wir, dass sie durch verbindliche Verbrauchsgrenzwerte die Einhaltung dieser Selbstverpflichtung bis 2008 sicherstellt.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> In ihrer Kampagne prangern sie Fahrzeugmodelle der f\u00fchrenden Fahrzeughersteller Mercedes, BMW und VW an, die teilweise \u00fcber 19 Liter auf 100 km Kraftstoff verbrauchen. In Anbetracht der hohen Arbeitslosenzahl, der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland und der in den letzten Jahren stark gestiegenen Spritpreise, klingt dies nicht wie eine markt- und kundengerechte Ausrichtung der deutschen Automobilhersteller. Dennoch nehmen die deutschen Kunden kleine und Sprit sparende Modelle kaum an. Woran liegt das?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Die bisherigen Spritsparmodelle waren viel zu teuer. Man baut erst ein normales Kleinauto mit recht hohem Spritverbrauch und baut dann im Nachhinein die Spartechnik zur Verbrauchsreduzierung ein. Alle Sparmodelle sind Dieselfahrzeuge und auch deshalb deutlich teurer als die g\u00fcnstigeren Modelle mit Ottomotor. Ihre Anschaffung lohnt nur f\u00fcr Vielfahrer mit \u00fcber 20.000 km Jahresfahrleistung. Wir brauchen aber leichtere und kleinere, nicht mehr wie bisher auf H\u00f6chstgeschwindigkeit und Beschleunigung getrimmte Fahrzeuge, Sparzeuge eben.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> W\u00e4ren gesetzliche Regelungen z.B. in Form eines maximalen durchschnittlichen Flottenverbrauchs eine L\u00f6sung? <\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Ja. Ein Flottenverbrauchs-Grenzwert hat den Vorteil, dass die Hersteller auch k\u00fcnftig ein breites Angebot an Fahrzeugen anbieten und trotzdem die n\u00f6tigen Durchschnittswerte erreichen k\u00f6nnen.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Unterschiedliche Ausrichtungen unterschiedlicher Hersteller lie\u00dfen wohl kaum einen einheitlichen Wert zu. Nehmen wir einmal Porsche im Vergleich zu Ford. Ford wird aufgrund seiner im Vergleich zu Porsche unterschiedlichen Modellpolitik einen niedrigeren Flottenverbrauch haben. Wie k\u00f6nnte man hier z.B. in Form von CO2-Emissionspapieren einen Ausgleich schaffen?<br \/>\nIn der Energieindustrie wird ja mit CO2-Emissionspapieren schon l\u00e4nger gehandelt. Leider bekommen die Energiehersteller diese vom Bund geschenkt &#8211; geben die angeblichen Kosten f\u00fcr die Papiere dennoch an ihre Kunden weiter. K\u00f6nnte hier nicht ein \u00e4hnlicher Faupax drohen?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Porsche h\u00e4tte mit seinen durchschnittlich 300 g f\u00fcr seine Neuwagen ein Problem. Evtl. k\u00f6nnten sie bei VW mitgez\u00e4hlt werden. So viele Porsches fahren ja nicht durch die Gegend. Oder es k\u00f6nnte in der Tat ein Emissionshandel eingerichtet werden, der allerdings einfach gestaltet sein muss, um die sog. Transaktionskosten niedrig zu halten. So etwas gibt es z.B. in Kalifornien unter A. Schwarzenegger.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Wie werden die CO2-Emissionen in anderen L\u00e4ndern geregelt? Welche Sanktionen drohen dort den Automobilherstellern?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> In China, Japan und in Kalifornien gibt es bereits Verbrauchsvorschriften. Die europ\u00e4ischen, koreanischen und japanischen Hersteller haben sich durch Selbstverpflichtungen gebunden.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> M\u00fcssten sich die deutschen Automobilhersteller nicht zwangsl\u00e4ufig solchen L\u00e4nder mit strengeren gesetzlichen Regelungen was die CO2-Emissionen angeht, anpassen, um ihren Export nicht zu gef\u00e4hrden?<br \/>\nDroht hier die deutsche Automobilindustrie evtl. einen Trend zu verschlafen \u00e4hnlich wie bei den Russpartikelfilter f\u00fcr Dieselfahrzeuge?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> In China sollen die bestehenden Verbrauchsvorschriften im n\u00e4chsten Jahr versch\u00e4rft werden. Vielleicht gibt es dann demn\u00e4chst Sparautos, die nur f\u00fcrs Ausland produziert werden, um die dortigen Vorschriften einzuhalten.<\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> W\u00e4ren Hybridfahrzeuge eine m\u00f6gliche L\u00f6sung? <\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Hybridfahrzeuge sind nicht unbedingt Sparfahrzeuge. Im Gegenteil: Sie haben zwei Antriebe: einen Verbrennungsmotor sowie einen Elektromotor und eine Batterie. Sparen tun sie nur durch die Aufladung der Batterie mit Hilfe des Motors und durch die R\u00fcckgewinnung von Bremsenergie und weil sich dadurch ein g\u00fcnstigerer Verbrauchsdurchschnitt ergibt. So st\u00f6\u00dft der Toyota Prius nur 104 g CO2 aus. Es kommt allerdings auch immer auf die Art der Stromerzeugung an, z.B. bei einfachen Hybriden, die an der Steckdose aufgeladen werden. Sehr interessant sind z.B. solche Plug-in-hybrids, wie sie in den USA genutzt werden. Da gibt es auch regenerative Pfade. Und in Zukunft wird die Leistungsf\u00e4higkeit der Batterie rasch steigen. <\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Gab es bisher Reaktionen von Seiten der von Ihnen angesprochenen Automobilhersteller? Wenn ja, wie sahen diese aus?<\/em><\/p>\n<p><strong>Dr. Werner Reh:<\/strong><em> Von BMW waren drei Mitarbeiter zu unserer Aktion auf dem M\u00fcnchener Marienplatz gekommen. Mit denen konnten wir schon dort intensiv diskutieren. Jetzt kam noch eine Einladung in das Werk nach M\u00fcnchen f\u00fcr den 9.2.<br \/>\nVon VW &#8211; am 23.11. waren wir in Wolfsburg &#8211;  und von Mercedes hatten wir bisher noch keine R\u00fcckmeldung. <\/em><\/p>\n<p><strong>IchBlogDich:<\/strong><em> Herr Dr. Werner Reh, wir danken Ihnen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch.<\/em><\/p>\n<p><strong>Links zu dem Thema: <\/strong><\/p>\n<p>Kampagne <a href=\"http:\/\/vorort.bund.net\/klimaschutz\/enttarnt\/home.html\" target=\"_blank\">&#8222;Spritfresser enttarnen&#8220;<\/a> des BUND f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland e.V.<br \/>\nPressemittelung des BUND <a href=\"http:\/\/www.bund.net\/lab\/reddot2\/aktuell_pressemitteilungen_5956.htm\" target=\"_blank\">&#8222;DaimlerChrysler ignoriert Klimaschutz &#8211; Mercedes muss Modellpolitik \u00e4ndern&#8220;<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 29. 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