{"id":562,"date":"2007-08-17T08:50:46","date_gmt":"2007-08-17T06:50:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=562"},"modified":"2007-08-17T08:50:46","modified_gmt":"2007-08-17T06:50:46","slug":"der-mob-zieht-durch-kleinbloggersdorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ichblogdich.de\/?p=562","title":{"rendered":"Der Mob zieht durch Kleinbloggersdorf"},"content":{"rendered":"<p><em>Seit einigen Tagen stehe ich abends am Fenster unseres Blogs, blicke auf die Stra\u00dfen von Kleinbloggersdorf und schaue dem Mob zu, der mit brennenden Fackeln und Mistgabeln durch die Stra\u00dfen zieht. Das Licht der Fackeln kriecht \u00fcber das nasse Pflaster. Die lauen Sommern\u00e4chte sind getr\u00e4nkt von den Rufen des Mobs. Wir haben einen Hot-Summer. Auch wenn nicht im Sinne der Temperaturen so doch im Herzen und im Gem\u00fct einiger Blogger. Der Grund: Es wurde mal wieder ein Blogger abgemahnt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Mob so an meinem Fenster vorbeizieht, und die Stimmen in der Ferne mal wieder leiser werden, gerate ich ins Gr\u00fcbeln.<\/em><\/p>\n<p>Das ist nicht das erste mal, dass ich das beobachte. Es ist nicht das erste mal, dass ich dem Trieb, mit dem Kn\u00fcppel in der einen und einem Seil in der anderen Hand mit dem Mob mit zu ziehen, widerstehe. Und es f\u00e4llt mir von mal zu mal leichter.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nEs gab Zeiten, da zog ich mit. Ja da war man noch neu in Kleinbloggersdorf.<br \/>\nDoch ich habe gelernt. Ich habe gelernt, dass nicht jeder Gejagte des Mobs b\u00f6se ist.<br \/>\nIch habe gelernt, dass nicht jeder Abgemahnte unschuldig an der Abmahnung ist.<br \/>\nSprich ich habe gelernt, dass nicht jede Abmahnung ungerechtfertigt ist. Man lernt, zu differenzieren.<\/p>\n<p>Wo ich nicht mitziehe sind die klassischen und recht eindeutigen F\u00e4lle: Ein Blogger hat sich bei einem Bild oder einem Song oder einem kompletten Artikel bei jemand anderem ohne dessen Einverst\u00e4ndnis bedient. Da sage ich mir oft: Selber schuld!<br \/>\nNo Risk &#8211; no Blog. Da muss jeder selber schauen, wo er bleibt.<\/p>\n<p>Oder auch klassisch, wenn sich jemand im Ton vergreift.<br \/>\nTituliert ein Blogger eine andere Person in seinem Blog \u00f6ffentlich als &#8222;Arschloch&#8220;, dann ist das sein Bier, wenn er deswegen \u00c4rger bekommt. Und jeder der dies noch applaudierend kommentiert ist da kein Deut besser. <\/p>\n<p>Schwieriger wird es, wenn irgendwelche Pseudo-Komiker Abmahnungen rausjagen, nur weil sie ihren b\u00fcrgerlichen Namen nirgends ver\u00f6ffentlicht sehen wollen. Ich halte so etwas pers\u00f6nlich f\u00fcr recht affig.<br \/>\nDoch wenn schon bekannt ist, dass jemand rechtliche Schritte gegen die Ver\u00f6ffentlichung seines Namens eingeleitet hat, dann halte ich es f\u00fcr recht leichtsinnig, wenn dann einige meinen, jetzt erst recht den Namen ver\u00f6ffentlichen zu m\u00fcssen. Damit meine ich nicht die indirekten oder direkten Verweise auf Quellen, wo der Realname zu finden ist. Ich denke da eher an die Blogger, die meinen, bei sich oder in Kommentaren anderer Blogs den Realnamen reinschreiben zu m\u00fcssen. Das ist dann meist nur eine Frage der Zeit, dass das zu \u00c4rger f\u00fchrt. Google sei Dank.<\/p>\n<p><em>Ich h\u00f6re, wie die Rufe des Mobs wieder lauter werden. Der Mob kehrt zur\u00fcck. Das wird wieder mal eine unruhige Nacht. So schnell werden die Leute nicht zur Ruhe kommen. An Schlaf f\u00fcr die Anwohner Kleinbloggersdorf ist damit auch nicht zu denken.<br \/>\nMeine Gedanken schweifen wieder ab.<\/em><\/p>\n<p>Auch ein sehr sch\u00f6ner Fall war die Abmahnung eines Bloggers wegen der Ver\u00f6ffentlichung eines Songs, der im Rahmen einer viralen Marketingaktion unters Volk gebracht wurde. Ja, da kam der Mob sehr schnell aus seinen L\u00f6chern. Von Ekel wurde geschrieben. Aber einige wurden auch im Hintergrund aktiv. Viele schrieben das abmahnende Unternehmen an und bewirkten, dass dort recherchiert wurde, wie es zu der Abmahnung kam.<br \/>\nAls die Zusammenh\u00e4nge klarer wurden, zog das Unternehmen die Abmahnung zur\u00fcck und der betroffene Blogger bekam eine kleine Entsch\u00e4digung.<br \/>\nHier zeigte sich klar die M\u00f6glichkeiten, die die Bewohner von Kleinbloggersdorf haben. Nicht immer muss man gleich den Mob losschicken und von Ekel schreiben. Ab und an reicht die eine oder andere E-Mail und ein Irrtum wird aufgedeckt.<br \/>\nSchade, dass die Artikel, wo von Ekel gesprochen wurde, auch noch in Jahren zu lesen sein werden. Dass ein Irrtum vorlag geht im Angesicht solcher Worte gerne mal unter. Die Reaktion des Unternehmens war vorbildlich und doch waren die Lobeshymnen leiser als die vorherigen Hasstiraden.<\/p>\n<p>Es gibt eben auch F\u00e4lle, die nicht in Ordnung sind. Es gibt auch F\u00e4lle, in denen man t\u00e4tig werden m\u00f6chte. Es gibt F\u00e4lle, deren m\u00f6gliche Folgen f\u00fcr das eigene Blog selbst Konsequenzen haben k\u00f6nnen. Oder es gibt F\u00e4lle, wo einfach ein Irrtum vorliegt. Oder es trifft wirklich mal ein ganz schwaches Glied von Kleinbloggersdorf. Da m\u00f6chte man aktiv werden. Zumindest versuchen, die Auswirkungen zu minimieren. Meist schon aus Eigennutz heraus &#8211; oft auch aus Prinzip.<br \/>\nDoch was kann man tun? Einfach mit dem Mob mitziehen?<\/p>\n<p><em>Ich werfe einen Blick die Hauptstra\u00dfe hinauf, an deren Ende der Mob angekommen ist. Gleich wird er wieder umdrehen und noch eine Runde durchs Dorf drehen. Das ist immer so. Mal ist der Mob kleiner, mal gr\u00f6\u00dfer. Doch eines ist immer gleich. Anfangs w\u00e4chst er, da sich bei jedem Zug durchs Dorf neue Einwohner dem Mob anschlie\u00dfen. Dann erreicht der Mob seinen H\u00f6hepunkt und die ersten Blogger verlassen den Zug um sich wieder anderen Themen zu zuwenden. Ab hier wird der Mob immer kleiner, bis er sich ganz aufl\u00f6st. Bis der n\u00e4chste Mob sich bildet. Same procedure as every year.<\/em><\/p>\n<p>Wo war ich mit meinen Gedanken stehen geblieben? Ach ja. Was kann man tun, wenn man helfen m\u00f6chte?<br \/>\nNun, gute Frage. Das h\u00e4ngt wohl meist von den eigenen M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten ab. Das f\u00e4ngt im Kleinen an. Einen Kommentar hier, einen Gedanken dort posten.<br \/>\nOder man unterst\u00fctzt die Betroffenen Personen direkt oder indirekt. Das kann man auch im Hintergrund tun. Der Mob muss dann ohne einen auskommen. Dies hilft manches mal den Betroffenen wesentlich mehr, als eine schreiende Horde.<br \/>\nWer mutiger und wortgewandter ist, schreibt vielleicht das abmahnende Unternehmen an, bittet um eine Stellungnahme. Das h\u00e4ngt aber auch sehr von dem Unternehmen und dessen Motive ab. Es gibt F\u00e4lle, da erachte ich ein Anschreiben als relativ sinnlos. Zu sehr riecht die Abmahntaktik nach kaltem Kalk\u00fcl.<br \/>\nManches mal schreibt man halt doch einen Artikel dar\u00fcber. Zieht quasi mit dem Mob mit. Jedoch immer bedacht, sich rechtlich nicht angreifbar zu machen. Es hilft dem Abgemahnten meist nichts, wenn man sich selber auch noch in die Schusslinie wirft. Also immer sch\u00f6n mitziehen aber Fackel, Kn\u00fcppel oder Seil zu hause lassen.<\/p>\n<p><em>Ich lausche in die Nacht hinaus. Es wird ruhiger. F\u00fcr heute Nacht war es das wohl. Morgen wird der Mob wieder losziehen. Kleiner als der heutige &#8211; doch immer noch m\u00e4chtig genug, dass andere eventuell wichtigere Themen in diesem Sturm der Entr\u00fcstung unterzugehen drohen. Aber auch das geh\u00f6rt zu Kleinbloggersdorf. Wer Teil davon ist, hat gelernt, damit umzugehen.<br \/>\nAm Horizont sehe ich die Sonne aufgehen. Ein neuer Tag beginnt. Schauen wir mal, was er uns bringen wird.<\/p>\n<p>Guten Morgen Kleinbloggersdorf<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit einigen Tagen stehe ich abends am Fenster unseres Blogs, blicke auf die Stra\u00dfen von Kleinbloggersdorf und schaue dem Mob zu, der mit brennenden Fackeln und Mistgabeln durch die Stra\u00dfen zieht. 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